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2. Juni 2014 - Montag - Tag 5 |
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| Kolašin ¦ Mojkovac
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![]() Biogradsko Jezero 23°C Kolašin › Međuriječje › Kanjon Mrtvice › Međuriječje › Kolašin › Biogradsko Jezero › Kolašin Um eine halbe Stunde früher als gestern können wir das umfangreiche Frühstück genießen. Lunchpaket gibt es heute keines. Als Jause für zwischendurch nehme ich mir nur ein paar Kekse mit. Daher verweile ich eine ganze Stunde an der Morgentafel und starte einmal mit zwei Spiegeleiern. Mit dem Rest, was da alles so am Tisch zu finden ist, komme ich schon ein paar Stunden durch. Der Tagesablauf bleibt bis zuletzt noch offen. Erst bei Abfahrt um 8:15 Uhr entscheidet sich Marco, zuerst ins Tal der Morača zurückzufahren und danach den Nationalpark Biogradska Gora zu besuchen. Über den Crkvina-Pass und vorbei am Morača-Kloster fahren wir bis zum kleinen Ort Međuriječje, wo eine Straße abzweigt, die bis nahe zum Zusammenfluss von Mrtvica und Morača führt. Dieser Zusammenfluss ist zugleich auch der Startpunkt unserer heutigen Wanderung in den Kanjon Mrtvice Die von Marco gewählte Route ist genauso in meinem Wanderführer beschrieben. Durch Gestrüpp und über Wiesen führt der schmale Weg bis zu einer alten steinernen Brücke, die während der Regentschaft von Fürst Danilo Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Wir lassen uns 20 Minuten Zeit, die Brücke zu inspizieren und die intensiv blaugrün bis türkisfarbene Mrtvica zu bestaunen. Sauber ist das Wasser, sehr sauber. Der Weg führt weiter in Richtung Schlucht, immer mal bergauf und bergab durch den Wald, wie es sich für einen normalen Wanderweg gehört. Ab und zu kann man schon die Felswände der Mrtvica-Schlucht sehen, eingebettet in tiefgrüne Vegetation. Wir kommen wieder zu einer Straße, die zu einem Gehöft führt. Auf einer größeren ebenen Fläche wird ein wenig Landwirtschaft betrieben. Unzählige Bienenstöcke, einige Ziegen und eine Kuh stehen auf Blumenwiesen herum, und ein paar Hunde machen sich mit lautem Gebell bemerkbar. Sie gehören einem allein lebenden älteren Mann, der sein Haus am Ende der Straße hat und uns freundlich begrüßt. Mittlerweile sind wir am Anfang (oder am Ende, je nach Blickrichtung) der Schlucht angelangt. Der Weg hat zwischen Fluss und Berghängen gerade noch Platz. Die Vegetation wird noch üppiger. Die Bäume sind mit Moos, der Waldboden mit Blättern übersät. Marco ist an der Spitze unserer Gruppe unterwegs, ich bewege mich eher etwas weiter hinten. Grund dafür sind die vielen Fotostopps, die ich immer wieder einmal einlege. Aber damit bin ich nicht alleine. Auch andere zücken die Kameras. Das Vorankommen verzögert sich daher ein wenig. Bei einem natürlichen Felstor, Kapija Želja genannt, machen wir eine Viertelstunde Rast. Es braucht mehrere Versuche, bis ich das Licht-Schatten-Spiel des hellen Wassers und des dunklen Vordergrundes einigermaßen brauchbar ablichten kann. Kapija Želja wird auch das Tor der Wünsche bezeichnet. Wenn man einen Stein durchs Tor in den Fluss wirft und man sich etwas wünscht, geht dieser Wunsch angeblich in Erfüllung. Wir sind nun im Herzstück der Schlucht angekommen. Wasserfälle, Felswände, Bäume als Hindernisse, Baumschwämme, nach und nach steinigere Wegabschnitte charakterisieren den letzten Abschnitt des Weges, der nun steiler wird. Ein kurzes Stück davon wurde regelrecht aus dem Fels gehauen. Man geht wie durch eine Galerie. Um 12:45 Uhr erreichen wir schließlich unseren Rastplatz mit der Bezeichnung Plaža. 45 Minuten können wir hier auf einem Schotterfeld rasten und uns der mitgebrachten Verpflegung widmen. Mir reichen die Kekse, die ich mitgenommen habe. Es ist mir daher wichtiger, mehr zu trinken als zu essen, denn heute ist es doch um einiges wärmer als die letzten Tage. Grund dafür ist sicherlich auch die niedrige Seehöhe von 400 m, auf der wir uns jetzt befinden. Es war laut Ausschreibung zwar geplant, den Canyon weiterzuwandern, aber Marco meint, dass es sich ab der Plaža nicht mehr rentiert. Wir kehren hier also um und wandern recht flott auf gleichem Weg zurück bis ans Ende der Straße bis zu jenem Haus, in dem der ältere Mann mit seinen Hunden wohnt. Dort werden wir von den Fahrern wieder abgeholt und kehren über die unbefestigte Straße zur Hauptstraße zurück. Von der Wärme auf 200 Meter kehren wir zurück in die kühle Gebirgsregion. An Kolašin vorbei fahren wir weiter bis zu einem kleinen Naturjuwel, den Biograder See im
wo wir gegen 16 Uhr ankommen. Ein paar Regentropfen werfen das Programm kurzzeitig über den Haufen. Anstatt der Umrundung des Sees kehren wir im nahen Restaurant auf Kaffee und Kuchen oder sonst ein Getränk ein, in der Hoffnung, dass der Regen bald aufhört. Nach einem 45minütigen Aufenthalt im Trockenen entscheiden sich die meisten dafür, die Seeumrundung zu starten. Ein mit vier Mitgliedern unserer Gruppe voll beladenes Auto tritt jedoch bereits die Rückfahrt zum Hotel an. Zum Glück habe ich mich für den Spaziergang entschieden.
Einerseits führt der Weg großteils durch den Wald und man ist dadurch
vom Regen geschützt. Andererseits hört es nach etwa einem Drittel des
Weges überhaupt zu tröpfeln auf. Es ist eigentlich pures Wetterglück,
obwohl es so feucht ist. Aber da die Sonne nicht scheint, gibt es keine
störenden Schatten auf den Bildern und da auch kein Wind weht, ist die
Seeoberfläche fast spiegelglatt. Das ergibt in Summe bestes Fotowetter.
Das Gebiet Biogradska Gora wurde bereits 1878 unter Naturschutz gestellt. Es beherbergt nicht nur diesen wunderschönen See, sondern neben viel grüner Natur auch einen 1600 Hektar großen Urwald. Diesen Umständen ist es zu verdanken, dass das Gebiet 1952 zum Nationalpark erklärt wurde. Der Rundweg um den See führt direkt durch dieses Urwaldgebiet. Auf Holzstegen überquert man die vielen kleinen Zuflüsse zum See, ehe man - nach vielen Fotostopps - wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Für diese Runde um den Biogradsko Jezero brauchen wir etwa eine Stunde. Nach dem langen Wandertag erreichen wir um 18:30 Uhr das
Hotel. Nur eine halbe Stunde bleibt bis zum Abendessen zum Frischmachen.
Da nun aber alle zugleich unter der Dusche stehen, hält sich die Wassermenge,
die vom Duschkopf rauskommt, in Grenzen. Mimi hat sich für das letzte Abendmahl unserer Gruppe etwas Besonderes ausgedacht. Sie hat für uns eine Speise mit der Bezeichnung Kačamak zum Probieren zubereitet. Zutaten sind Mais, Erdäpfel und Käse, also sehr sättigend. Ich bediene mich zwar zweimal von der Schüssel, nehme aber nicht zu viel, denn fürs Geschnetzelte und für den Erdbeerkuchen soll auch noch Platz übrig bleiben. Beim gemütlichen Zusammensitzen können wir die ersten Tage nachbesprechen. Die erste Hälfte der kurzen Reise ist nämlich bereits vorbei. Nach einem Stamperl Slivowitz ziehe ich mich ins Zimmer zum Packen zurück. Morgen werden wir Kolašin in Richtung Hauptstadt verlassen. |
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